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150 Jahre Sparkasse in
Odenkirchen
am 14. Juli
2004
Ansprache des
Vorsitzenden des Heimatvereins, Rolf Lüpertz
Als ich als Vorsitzender des Heimatvereins
Odenkirchen gebeten wurde, anlässlich der Neugestaltung der
Zweigstelle Odenkirchen die Geschichte dieser Einrichtung zu
würdigen, bin ich dieser Bitte gerne nachgekommen.
Edeldenkende und
wohlmeinende Menschenfreunde" waren es nach der Festschrift zum
50jährigen Jubiläum am 14. Juli 1904, die im Jahre 1854 beschlossen,
für die Gemeinde Odenkirchen eine Sparkasse zu gründen, deren Ziel
es war, "den veredelnden Spartrieb in den Menschen zu pflanzen und
ihn für den Einzelnen so nutzbar wie möglich zu machen, um
gleichzeitig in den Vorteilen des Sparens ein mächtiges
Erziehungsziel für die Menschen zu gewinnen." Die Gründung von
Sparkassen war von Anfang an eine Antwort auf das
Sicherheitsbedürfnis der Bürger in einer Zeit, in der nicht der
Staat bei allen Notlagen in die Bresche sprang. Es kam vor allem
darauf an, dem Sparer die Möglichkeit zu verschaffen, "auch ganz
kleine Beträge zinstragend unterzubringen" und ihm die Sicherheit zu
geben, "dass das ersparte Geld nicht für ihn verloren
ging."
Aus welch kleinen
Anfängen das große Unternehmen Sparkasse entstanden ist, kann man
daran erkennen, dass es im § 16 der ersten Sparkassenordnung in
Odenkirchen heißt: "Die Ein- und Rückzahlungen finden monatlich zwei
Mal, und zwar am ersten und dritten Mittwoch, nachmittags von zwei
bis vier Uhr in der Wohnung des Rendanten statt." Sie sehen, dass
die heutigen Öffnungszeiten der Sparkasse etwas kundenfreundlicher
geworden sind. Schon damals wurde festgelegt, dass die Überschusse
nach Abzug einer Rücklage vom Gemeinderat für öffentliche Zwecke
verwendet werden durften. Die von der Gemeinde Odenkirchen unter dem
damaligen Bürgermeister Schrey in der Ratssitzung vom 30. September
1853 beschlossene und 1854 umgesetzte Gründung einer Sparkasse schuf
außerdem die Möglichkeit für die Gemeinde, "sich unter bedeutend
leichteren Umständen die notwendigen Summen zu den im Interesse der
kommunalen Wohlfahrt erforderlichen Einrichtungen zu
beschaffen."
Das erste Rechnungsjahr der
Sparkasse Odenkirchen schließt mit, wie es heißt, 3
"Sparkassenbüchelchen und einem Einlagebestand von 40 Thalern, 8
Groschen ab." 8 Jahre später 1862 waren es 14 "Spar-Contos" mit 360
Thalern, 4 Groschen, 1890 1.793 Contos mit 811.632 Mark und 1900 3057 Contos mit 1.827.383
Mark. Heute verwaltet die Sparkasse in Odenkirchen 20.400 Sparkonten
neben 6.400 Privatgirokonten und 700
Geschäftsgirokonten.
Während die Sparkasse
Odenkirchen bis Februar 1901 im Nebenamt geführt wurde, beschäftig
sie heute 16 Mitarbeiter, davon 13 Frauen. Vielleicht ist das ein
Zeichen dafür, dass Frauen besser mit Geld oder mit den Kunden
umgehen können als Männer.
Bis zum Jahre 1901, in dem die
Verwaltung der Sparkasse das Haus Freiheitsstraße 10 mietete, befand
sich das "Kassenlokal", wie es die Festschrift von 1904 nennt, in
verschiedenen Privathäusern.
Am 17. Juli 1903 fand die Kasse
im Haus Rheydterstraße 9 ein neues geeignetes "Lokal", das für 900
Mark im Jahr gemietet wurde.
Interessant und vielleicht eine
Empfehlung für die heute Verantwortlichen ist auch die
Zinsgestaltung im Jubiläumsjahr 1904. Es heißt in der Schrift: " An
Zinsen gewährt die Kasse den – man höre und staune – zum
Gemeindebezirk Odenkirchen gehörigen Einlegern zur Zeit bis zur Höhe
von 400 Mark 4%, übersteigt das Guthaben diesen Betrag 3 1/3 % bis
zur Höhe von 10.000 Mark. Auswärtigen Sparern werden die Einlagen
von 1 bis 10.000 Mark mit ebenfalls 3 1/3 % verzinst. Vielleicht
wäre es ja einmal eine Idee im Zeitalter der sogenannten
Globalisierung, die Verbundenheit mit dem Ortsteil dadurch zu
betonen, dass man den Kleinsparern aus Odenkirchen einen besseren
Zinssatz für ihre Guthaben zahlt, sozusagen als Geschenk zum
150jährigen Jubiläum.
Besonders gefreut hat es mich
natürlich zu lesen, dass zwei Lehrer eine besondere Rolle in der
Geschichte der Sparkasse Odenkirchen gespielt haben. Hauptlehrer
Oellers in Geistenbeck begann seine Tätigkeit unter dem Rendanten
und Beigeordneten Carl Schmitz im Gründungsjahr 1854. In seinem
Schulbezirk besorgte er "hier einem durch widrige
Familienverhältnisse in Verlegenheit geratenem Familienvater ein
Darlehen", aber, was noch viel bemerkenswerter ist, "veranlasste er
dort seine in günstigeren Verhältnissen lebenden Bekannten, ihre
entbehrlichen Gelder der Sparkasse für Zeiten der Not zu übergeben".
Welch grenzenloses Vertrauen und Ansehen im Gegensatz zu unserer
Zeit Lehrer damals genossen haben, zeigt folgendes Zitat: "Das
unbegrenzte Vertrauen seiner Mitmenschen, namentlich derjenigen
seines Schulbezirks besitzend, übergeben sie ihm ihre gesammelten
Ersparnisse in kleinen
und großen Beträgen, die er getreulich allwöchentlich der Sparkasse
abliefert." Ich persönlich bin voller Bewunderung für eine solche
Leistung, zumal ich mich schon fast beim Einsammeln des Geldes für
Klassenfahrten oder Lektüren überfordert fühlte.
Im Jahre 1901 rief Hauptlehrer
Küppers in Güdderath eine "Pfennig- bzw. Schulsparkasse" ins Leben,
bei der die Kinder durchschnittlich pro Jahr die beachtliche Summe
von 600 Mark in kleinsten Beträgen sparten. Lehrer Küppers verfolgte damit vor allem
ein pädagogisches Ziel, die Jugend zur Sparsamkeit zu erziehen. Ich
weiß allerdings nicht so recht, ob das auch das eigentliche Ziel des
S-Clubs von heute ist. Die gesammelten Gelder wurden der Sparkasse
Odenkirchen übergeben und mit 4% verzinst.
Aber nun zur Entwicklung nach
dem 1. Weltkrieg. Nachdem die Einlagen bis zum Jahre 1918 stetig
gestiegen waren, kam es nach Kriegsende zu einem Einbruch, vom dem
sich die Sparkasse Odenkirchen bis zum 75jährigen Jubiläum im Jahre
1929 wieder erholt hatte. Im Grußwort des damaligen Bürgermeisters
Schmidt-Bleibtreu vom Juli 1929 heißt es :" Wie das Wasserwerk jedem
Haus das erfrischende Naß zuführt und einen alles verzehrenden Brand
zu löschen vermag, so leitet die Sparkasse aus ihrem Geldreservoir
die benötigte Auffrischung
den Verbrauchern zu, um helfend einzugreifen, wenn
Zahlungsschwierigkeiten züngelnden Flammen gleich Vermögen und
Geschäft eines Bürgers, vielleicht die Existenz mehrerer Familien zu
vernichten drohen." Mögen sich die heute Verantwortlichen an diese
sehr pathetische Beschreibung der Aufgaben der damaligen Sparkasse
der Stadt Odenkirchen erinnern, die genau in diesem Jahr 1929 ihre Selbstständigkeit
verlor. Bürgermeister Schmidt-Bleibtreu schließt mit den Worten,
denen man sich auch heute anschließen kann: "Möge sie zum
allgemeinen Wohle sich gedeihlich fortentwickeln als selbständiges,
vom Vertrauen der Bürger getragenes Geldinstitut." Mit der
Selbständigkeit war es bald vorbei, die gedeihliche Fortentwicklung
ist sicherlich eingetreten.
In der Festschrift wird
außerdem betont, dass die gute finanzielle Lage der Odenkirchener
Sparkasse für die Stadtgemeinde die angenehme Folge hatte, dass seit 1925 "die gesamten
jährlichen Überschüsse für gemeinnützige Zwecke überwiesen werden"
konnten, was schon damals als "seltener Ausnahmefall" beschrieben
wurde.
Aus der Festschrift von 1929
geht außerdem hervor, dass in Odenkirchen "stets die kühnsten
Erwartungen übertroffen wurden." Deshalb zog die Kasse schon
1917 in ein größeres Gebäude
in der Freiheitsstraße 96/98 (jetzt Burgfreiheit) um, Mitte
der 60er Jahre erwies sich auch dieses Gebäude als zu klein und die
Sparkasse erwarb das Grundstück Burgfreiheit 84. Nach langen und
schwierigen Bauarbeiten konnte im November 1969 das neue
Hauptzweigstellengebäude in Odenkirchen bezogen
werden.
1989 wurde das Gebäude
erweitert und völlig umgestaltet, es wurden zwei Kundencenter mit
jeweils einem Leiter eingerichtet. EC-Automaten und
Briefschließfachanlagen wurden installiert, mit denen sich einige
nette Anekdoten verbinden. So fragte ein ältere Dame nach der
Erstinstallation der Geldautomaten, wer von den kleinen Kollegen
denn die Geldscheine aus dem Automaten schiebe, und in der
Winterzeit wurde einmal im beheizten Geldautomatenraum in den frühen
Morgenstunden ein Pärchen im Schlafsack überrascht, was ja auch ein
Zeichen der Verbundenheit der Mitbürger zur Sparkasse sein könnte.
Dass, wie einmal geschehen , beim Altweiberempfang schon nach 11/2
Stunden kein Bier mehr da war, kann nur an der trockenen Luft vor
dem Umbau gelegen haben, womit wir beim eigentlichen Anlass dieser
Veranstaltung wären: der offiziellen Übergabe der umgestalteten
Odenkirchener Sparkasse.
Zum Abschluss möchte ich im
Namen des Heimatvereins und aller Odenkirchener Vereine den
Verantwortlichen der Stadtsparkasse Mönchengladbach, vor allem aber
der Leitung der Zweigstelle Odenkirchen, ganz herzlich danken für
die Unterstützung unserer Vereinsarbeit in den vergangenen Jahren.
Wann immer wir ein Anliegen hatten, für dessen Verwirklichung wir
finanzielle Unterstützung nötig hatten, hat die Stadtsparkasse im
Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen. Herzlichen Dank allen
Verantwortlichen dafür, dass sie die ursprüngliche Idee der
Gründungsväter nicht aus den Augen verloren haben und sich immer
ihrer sozialen Verantwortung bewusst geblieben sind. Wie
Bürgermeister Schmidt-Bleibtreu zum 75jährigem Jubiläum der
Stadtsparkasse Odenkirchen wünsche ich 75 Jahre später der
Stadtsparkasse Mönchengladbach "eine gedeihliche Fortentwicklung zum
allgemeinen Wohl". |