| Studiovortrag
von Pfarrer Dedring
am 17. April 2005


Studiovortrag
von Pfarrer Stephan Dedring im Burgturm
|
 |
|
Pfarrer
Dedring erläutert eine Projektion der alten
evangelischen Hauptkirche |
Am
Sonntag, dem 17. April, hielt Pfarrer Dedring als Vorbereitung für
die Christi Himmelfahrt geplante Besichtigung der evangelischen
Hauptkirche in Rheydt einen Vortrag über die Geschichte der
evangelischen Gemeinde und ihrer Kirche bis zum Bau der neuen
Hauptkirche. Er ging von den
Anfängen der Besiedlung Rheydts und der ersten im 10.
Jahrhundert nachweisbaren Pfarrkirche, die damals zum Bistum Köln
gehörte, aus und zeichnete die Entwicklung in den folgenden
Jahrhunderten auf. Schon immer war das Prinzip der
"Eigenkirche" für Rheydt bestimmend, d.h. der jeweilige
Landesherr hatte das Kirchenpatronat und damit das Recht auf die
Ernennung des Pfarrers. Im 14. Jahrhundert wurde Rheydt
Unterherrschaft des Herzogtums Jülich. Schon 1326 wurde eine
erste schlichte Kirche im romanischen Stil gebaut, die später mit
einem spätgotischen Chor umgestaltet und ausgemalt wurde. 1500
erlangten die Herren von Bylandt die Herrschaft über Rheydt.
Mit
dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 beginnt eine sehr
wechselvolle Geschichte der evangelischen Gemeinden in Rheydt und
Odenkirchen, die Pfarrer Dedring sehr anschaulich mit
Kartenmaterial aus dem "Atlas zur Geschichte des
Niederrheins" von Irmgard Hantsche und mit Episoden aus der
Pfarrgeschichte erläuterte. So gab es nach mehrfachem
Besitzwechsel zwischen den Konfessionen nach der endgültigen
Etablierung des reformierten Bekenntnisses von 1718 bis 1731 einen
"Predigerwahlstreit" zwischen dem Presbyterium und den
Landesherren von Bylandt, der erst nach 13 Jahren zu einem
Kompromiss führte.
Im
Jahre 1773 war die Rheydter Gemeinde mit 1681 Mitgliedern die
weitaus größte am ganzen Niederrhein. Im Jahre 1741 wurde
deshalb die Kirche durch den Einzug eines Querschiffs zu einer
Predigerkirche erweitert. Im Jahre 1749 baute man eine neue Orgel
ein. Zwei weitere wichtige politische Ereignisse und ihre
Auswirkungen auf die Entwicklung Rheydts behandelte Pfarrer
Dedring mit der Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen im
Jahre 1794, die zu einer erheblichen Einschränkung der Befugnisse
des Presbyteriums führte, und der 1815 durch den Wiener Kongress
erfolgten Eingliederung des Niederrheins als
"Rheinprovinz" in das Königreich Preußen.
 |
|
| Rolf Lüpertz,
der Vorsitzende des HVO, übergibt Pfarrer Dedring
zum Dank ein Buchgeschenk.
Fotos: Werner Scholz |
|
|
|
Anhand
von Stadtansichten stellte Pfarrer Dedring schließlich dar, wie
rasant sich Rheydt, das 1856 die Stadtrechte bekam, ab 1845 von
einer idyllischen Ansiedlung zu einem Industriestandort
entwickelte, dessen Bevölkerung in kürzester Zeit stark anwuchs,
was zu einer gravierenden Veränderung im Zahlenverhältnis der
Konfessionen führte. !895 hatte Rheydt bereits etwa 60.000
Einwohner, von denen nahezu die Hälfte katholisch war.
Die
evangelische Gemeinde wuchs im 19. Jahrhundert ebenfalls stetig,
so dass 1866 mit dem Bau der Friedenskirche begonnnen, 1884 die
Hauptkirche erweitert und 1890 eine 4. Pfarrstelle eingerichtet
wurde.
1897
entschloss man sich schließlich zum Abriss der alten und zum Bau
einer neuen, repräsentativen Hauptkirche, für den der damals berühmteste
Architekt Preußens gewonnen werden konnte. Wie schwer es vielen
Gemeindemitgliedern fiel, von ihrer alten Kirche Abschied zu
nehmen und der Sprengung des Turms zuzusehen, machte Pfarrer
Dedring an einigen Augenzeugenschilderungen deutlich. Bis zur
Fertigstellung der neuen Kirche im Jahre 1902 wuchsen die enormen
Baukosten der Gemeinde fast über den Kopf, umso größer war der
Stolz, als das Werk endlich vollendet war.
Die
nunmehr restaurierte Hauptkirche kann auf Einladung des
Heimatvereins am Donnerstag, dem 5. Mai, (Christi Himmelfahrt) um
15.00 Uhr besichtigt werden. Pfarrer Dedring wird die Gruppe
selbst führen.
|