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Vortrag zur Odenkirchener Geschichte
am 21. September 2006
Seinen Vortrag am Donnerstag, dem 21. September, in der Burggrafenhalle begann Dr. Hütter mit einigen persönlichen Bemerkungen über seine Verbundenheit mit Odenkirchen, wo er auch am Gymnasium sein Abitur gemacht hat. Eine Karte der Bürgermeisterei Odenkirchen vom 1806, die um den Ortskern nur landwirtschaftliche Flächen zeigt, stand am Anfang seiner interessanten Ausführungen zur Entwicklung dieser Landgemeinde zur Stadt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem im Vergleich zur Nachbargemeinde Rheydt. Vom 24.9.1856, als Odenkirchen zusammen mit Rheydt und Dahlen vom Preußischen König Friedrich Wilhelm die Stadtrechte verliehen bekam, bis 1929 war Odenkirchen 73 Jahre selbstständige Stadt, allerdings auf einem wesentlich größeren Territorium als heute, das Hockstein, Mülfort, Dohr und Zoppenbroich einschloss. Im Gegensatz zu Rheydt verfügte die Stadt Odenkirchen über genügend Raum für die industrielle Entwicklung, in deren Verlauf sich vor allem Textilunternehmen entlang der Niers ansiedelten. Namen wie Eduard Görtz, Johann Adam Bresges, Gebrüder Göbels und Deußen prägten diese Zeit. Wie Dr. Hütter ausführte, wurde diese industrielle Entwicklung aber in Odenkirchen mit seiner landwirtschaftlichen Tradition sehr viel skeptischer betrachtet als in Gladbach und Rheydt. Obwohl der Anschluss an das Eisenbahnnetz sehr wichtig wurde, beschloss der Rat der Stadt Odenkirchen erst im Januar 1866, 24 Jahre nach der Eröffnung der Bahnstrecke Aachen – Mönchengladbach, endgültig den Bau eines Bahnhofs, aber "in angemessener Entfernung vom Ortskern". An anschaulichem Bildmaterial zeigte Dr. Hütter, dass der Odenkirchener Bahnhof im Vergleich zu dem in Gladbach und Rheydt keine "Kathedrale des Fortschritts", sondern ein eher bescheidener Bau wurde. Auch der Vergleich der Bevölkerungsentwicklung zeigt, dass Rheydt und Odenkirchen, die 1856 mit einer ähnlichen Einwohnerzahl in die Selbstständigkeit gingen, unterschiedliche Fortschritte machten. So nennt die Statistik 1900 für Odenkirchen 15.000 und für Rheydt schon 34.000 Einwohner und 1925 für Odenkirchen 20.000 und für Rheydt 46.000 Einwohner. Dennoch zeugen auch heute noch prächtige Gebäude für den Bürgerstolz der Odenkirchener, wie die St. Laurentiuskirche und das Gebäude des heutigen Gymnasiums, das 1914 eingeweiht wurde. In seinem Resümee kam Dr. Hütter zu dem Ergebnis, dass heute vielleicht gerade die weniger intensive industrielle Entwicklung Odenkirchens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Vergleich zu den Nachbarstädten den "Charme" dieses Stadtteils ausmacht, in dem es sich lohnt zu leben.
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