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Bei
stilvoller, ruhiger Hintergrundmusik gaben die Lektoren Kostproben
aus den Werken von Rudolph
Wiedemann, Franz Rixen und aus den Veröffentlichungen des
Heimatvereins Odenkirchen.
Hier Auszüge aus den Lesungen:
Marianne
Strunk-Hilgers
aus
„Geschichte
der ehemaligen Herrschaft und des Hauses Odenkirchen" von
Rudolph Wiedemann (1879)
Vom
Ackerbau zur Industrie: "Im Ganzen und Großen gehört
Odenkirchen zu den besten und fruchtbarsten Distrikten des Kreises
Gladbach und heutzutage wird dem Ackersmann die Mühe und Arbeit,
welche er auf die Bebauung seines Grundes und Bodens verwendet,
durch die Fruchtbarkeit des Letzteren reichlich vergolten und
versüßt. In der "Statistik des Kreises Gladbach" wird
ausdrücklich hervorgehoben, daß in Odenkirchen alle acht Klassen
Ackerland vertreten sind.
In den ältesten Zeiten blühte hier die Flachszucht
und damit zusammenhängend die Leinenweberei ... Die Stelle der
Letzteren hat die Fabrikation in baumwollenen und verwandten
Stoffen eingenommen, in welchen Artikeln sich Odenkirchen eines so
bedeutenden Rufes erfreute, daß seine Fabrikate auf allen
größeren Märkten des In- und Auslandes vertreten waren. Hand
in Hand mit dieser bedeutenden Nachfrage ... ging die
Beschäftigung der Odenkirchener Weber und ihr Fleiß, ihr Stuhl
klapperte bis spät in die Nacht.
Den
besten Ruf hatten sich die Fabrikate aus der Fabrik des Herrn
Otto Wiedemann ... und der Herren Gebrüder Moras erworben.
Erstere Firma ... hat seit einiger Zeit die Baumwollfabrikation
ganz aufgegeben und liefert nur noch Seidenstoffe. Am
15. Januar 1776 schrieb der Vogt Bouget an den Churfürsten, er
beabsichtige auf seine Kosten zu Odenkirchen eine Fabrik von
Mouchoirs de Soyes (seidenen Tüchern), Cordon de Velours (Sammt)
und demi Satin (Halbseide) anzulegen ... Unter dem 8. Junius gab
ihm der Churfürst das gewünschte privilegum exclusivum."
((Damit gründete der Vogt Bouget die erste Fabrik zu
Odenkirchen.))
Marlies
Schoenen
aus
"Geschichte Odenkirchens" (Laurentiusbote) von Franz
Rixen (1949-1967)
Von
der Flachskultur zur Textilindustrie: "Zu Anfang
des vorigen Jahrhunderts wurde
in Odenkirchen die Flachskultur immer
mehr zurückgedrängt durch die Baumwollindustrie. Es
ist einleuchtend, daß sich diese neue
Industrie dort schnell einbürgerte, wo
bereits die Leinenweberei betrieben
wurde, weil sich
hier die günstigsten
Vorbedingungen fanden. Einen gewaltigen
Aufschwung verdankt die Textilindustrie
in unserer Heimat der Fürsorge
Napoleons. Er ließ Chausseen und
Kanäle bauen, Musterfabriken, Handelskammern,
Handels- und Gewerbegerichte
einrichten. Man sorgte für
bedürftige Arbeiter, setzte Prämien für
besondere Leistungen fest und erließ
Preisausschreiben für Erfindungen. Günstig
wirkte sich auf die hiesige Textilindustrie
auch die Kontinentalsperre
aus. Manche Industrieelle verlegten ihre Fabriken vom rechten auf
das linke Rheinufer, besonders in das Roerdepartement.
Die erste mit der Wasserkraft
der Niers getriebene Baumwollspinnerei wurde 1807 in Zoppenbroich
eingerichtet.
Um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Leinenindustrie durch
die Baumwollindustrie verdrängt. Die Entscheidung
fiel mit der Einführung der
Dampfmaschine. Man hatte versucht,
durch die Wasserkraft der Niers die Spinn- und Webstühle zu
treiben; aber sie
erwies sich als zu schwach. So
entstand ein Fabrikturm nach dem anderen. Die rauchenden Schlote
waren das äußere
Zeichen für das Aufblühen der
Textilindustrie. Der mechanische
Webstuhl kam als erster im Jahre 1857 aus England
nach Odenkirchen. Im Jahre 1877 lebte
ein Fünftel der Einwohner des Kreises
Gladbach von der Sammet- und Leinenindustrie,
zwei Fünftel von der Baumwollindustrie,
ein Fünftel vom Handwerk
und ein Fünftel von der Landwirtschaft.
Im
Jahre 1926 gab es im
Industriebezirk Gladbach-RheydtOdenkirchen-Viersen
1,6 Millionen Baumwollspindeln,
dazu rund 300 Fabriken mit 25000 Webstühlen; hinzu kamen
noch zahlreiche Stoffdruckereien,
Appreturanstalten, Rauhereien und
Färbereien. Jährlich wurden 1,5 Millionen
Zentner Rohbaumwolle verarbeitet.
In mehr als 200 Kleiderfabriken fanden
6000 Fabriknäherinnen und über
18000 Heimarbeiterinnen Beschäftigung."
Thomas
Driesch
aus
"Odenkirchen gestern und heute" Nr.8 (2008) -
"Sparkasse Odenkirchen" von Dirk Pothast
In der Gemeinde
Odenkirchen wird am 14. Juli 1854 die erste Sparkasse eröffnet.
"Die Gründer
der Sparkasse, die Männer, welche in den fünfziger Jahren des
19. Jahrhunderts den
Plan fassen, in Odenkirchen eine Gemeinde- Sparkasse
ins Leben zu rufen, lassen sich den im § 1 des ersten
Statuts angeführten Grundsatz zur Richtschnur dienen. Es heißt
da: „Die Sparkasse für
die Gemeinde Odenkirchen hat zunächst den Zweck, der
handarbeitenden Volksklasse derselben
Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse gegen Zinsen unterzubringen
und zu Kapitalien anwachsen zu lassen, um diese nach
den Festsetzungen des § 13 und 16 dieses Statuts zurückempfangen
zu können“.
Das erste Rechnungsjahr 1854/55
schließt mit 3 Sparkassenbüchlein und einem
Einlagebestand von 40 Talern, 8 Groschen ab. 8 Jahre später, 1862
sind 14 Spar-Contos mit
360 Talern vorhanden. Das
Kassenlokal befindet sich zur Zeit der Eröffnung in der Burg,
dann bis 1872 im Hause der Burgstraße 11, zur Zeit der Geschäftsführung
von Herrn Carl Schmitz in dem Hause Freiheitsstraße
58 (heute Burgfreiheit) Metzgerei Schrey bis 1884, von da
bis 1888 Gartenstraße 36 (heute Schmidt- Bleibtreu- Straße).
Am 1. April
1901 haben 4373 Personen ein Sparkonto bei der hiesigen Kasse mit
einem Gesamteinlagebestand von 2.727.622 Mark 7 Pfg.
An Zinsen gewährt
die Kasse den zum Gemeindebezirk Odenkirchen gehörigen Einlegern
zur Zeit bis zur Höhe von 400 Mark 4%, übersteigt das Guthaben
diesen Betrag 3 1/3%
bis zur Höhe von 10.000 Mark. Auswärtigen Sparern werden die
Einlagen von 1 – 10.000 Mark ebenfalls mit 3 1/3 % verzinst.
Die in Güdderath durch Hauptlehrer Küppers im Jahre 1901 ins
Leben gerufene Pfennig- bzw.
Schulsparkasse verdient hier erwähnt zu werden. Die Kinder des
Schulbezirks Güdderath sparen zu diesem Zeitpunkt schon pro Jahr
durchschnittlich 600 Mark. Schon mit einzelnen Pfennigen übergeben
die Kinder Herrn Küppers ihre Ersparnisse, der dieselben in einem
„Büchelchen“, das die Eltern der kleinen Sparer aufzubewahren
haben, quittiert. Die gesammelten Gelder werden von Zeit zu Zeit
der Sparkasse übergeben und von dieser mit 4% verzinst. Der
eigentliche Zweck der Schulsparkasse ist, die Jugend zur
Sparsamkeit zu erziehen. Dem Wirken Herrn Küppers kann man die höchste
Anerkennung nicht versagen."
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