Veranstaltungen

 

Lesung aus den Veröffentlichungen 

von Kpl. Rudolph Wiedemann, Pfr. Franz Rixen und des Heimatvereins Odenkirchen 

zum Thema: Landwirtschaft, Handel und Industrie in Odenkirchen

am 5. April 2009

 

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Geschäftsführerin Henny Scholz begrüßte die Besucher und verlas das Vorwort von Oberbürgermeister Norbert Bude im "Neuen Wiedemann". Hier ein Auszug:

"Der Odenkirchener Kaplan Rudolph Wiedemann (1838-1911) veröffentlichte 1879 die „Geschichte der ehemaligen Herrschaft und des Hauses Odenkirchen". Er schuf damit ein wichtiges Standardwerk von großer lokalhistorischer Bedeutung. Mit seiner Arbeit dokumentierte und komplettierte er ein bedeutendes Kapitel der Stadt- sowie der Pfarrgeschichte.

Die Nachfrage nach diesem Buch ist auch heute noch groß, doch leider war es lange vergriffen. Ich freue mich deshalb sehr, dass der Heimatverein Oderkirchen und das Antiquariat am St.Vith einen Neudruck ermöglicht haben. Vielen Dank. Somit steht dieses Werk wieder allen zur Verfügung, die an der Odenkirchener Geschichte interessiert sind. Ich wünsche Ihnen bei der Lektüre interessante Erkenntnisse und viel Vergnügen."

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Blick in die Zuhörer-Runde

Die Lektoren v.l.: Marianne Strunk-Hilgers, Thomas Driesch, Marlies Schoenen

                                                                                                                                         Fotos: Heinz Eßer

 

Bei stilvoller, ruhiger Hintergrundmusik gaben die Lektoren Kostproben aus den Werken von Rudolph Wiedemann, Franz Rixen und aus den Veröffentlichungen des Heimatvereins Odenkirchen. Hier Auszüge aus den Lesungen:

 

Marianne Strunk-Hilgers 

aus „Geschichte der ehemaligen Herrschaft und des Hauses Odenkirchen" von Rudolph Wiedemann (1879)

 

  Vom Ackerbau zur Industrie: "Im Ganzen und Großen gehört Odenkirchen zu den besten und fruchtbarsten Distrikten des Kreises Gladbach und heutzutage wird dem Ackersmann die Mühe und Arbeit, welche er auf die Bebauung seines Grundes und Bodens verwendet, durch die Fruchtbarkeit des Letzteren reichlich vergolten und versüßt. In der "Statistik des Kreises Gladbach" wird ausdrücklich hervorgehoben, daß in Odenkirchen alle acht Klassen Ackerland vertreten sind.

 

   In den ältesten Zeiten blühte hier die Flachszucht und damit zusammenhängend die Leinenweberei ... Die Stelle der Letzteren hat die Fabrikation in baumwollenen und verwandten Stoffen eingenommen, in welchen Artikeln sich Odenkirchen eines so bedeutenden Rufes erfreute, daß seine Fabrikate auf allen größeren Märkten des In- und Auslandes vertreten waren. Hand in Hand mit dieser bedeutenden Nachfrage ... ging die Beschäftigung der Odenkirchener Weber und ihr Fleiß, ihr Stuhl klapperte bis spät in die Nacht.

 

    Den besten Ruf hatten sich die Fabrikate aus der Fabrik des Herrn Otto Wiedemann ... und der Herren Gebrüder Moras erworben. Erstere Firma ... hat seit einiger Zeit die Baumwollfabrikation ganz aufgegeben und liefert nur noch Seidenstoffe. Am 15. Januar 1776 schrieb der Vogt Bouget an den Churfürsten, er beabsichtige auf seine Kosten zu Odenkirchen eine Fabrik von Mouchoirs de Soyes (seidenen Tüchern), Cordon de Velours (Sammt) und demi Satin (Halbseide) anzulegen ... Unter dem 8. Junius gab ihm der Churfürst das gewünschte privilegum exclusivum." ((Damit gründete der Vogt Bouget die erste Fabrik  zu Odenkirchen.))

 

 

Marlies Schoenen

aus "Geschichte Odenkirchens" (Laurentiusbote) von Franz Rixen (1949-1967)

 

Von der Flachskultur zur Textilindustrie: "Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde in Odenkirchen die Flachskultur immer mehr zurückgedrängt durch die Baumwollindustrie. Es ist einleuchtend, daß sich diese neue Industrie dort schnell einbürgerte, wo bereits die Leinenweberei betrieben wurde, weil sich hier die günstigsten Vorbedingungen fanden. Einen gewaltigen Aufschwung verdankt die Textilindustrie in unserer Heimat der Fürsorge Napoleons. Er ließ Chausseen und Kanäle bauen, Musterfabriken, Handelskammern, Handels- und Gewerbegerichte einrichten. Man sorgte für bedürftige Arbeiter, setzte Prämien für besondere Leistungen fest und erließ Preisausschreiben für Erfindungen. Günstig wirkte sich auf die hiesige Textilindustrie auch die Kontinentalsperre aus. Manche Industrieelle verlegten ihre Fabriken vom rechten auf das linke Rheinufer, besonders in das Roerdepartement. Die erste mit der Wasserkraft der Niers getriebene Baumwollspinnerei wurde 1807 in Zoppenbroich eingerichtet.  

 

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Leinenindustrie durch die Baumwollindustrie verdrängt. Die Entscheidung fiel mit der Einführung der Dampfmaschine. Man hatte versucht, durch die Wasserkraft der Niers die Spinn- und Webstühle zu treiben; aber sie erwies sich als zu schwach. So entstand ein Fabrikturm nach dem anderen. Die rauchenden Schlote waren das äußere Zeichen für das Aufblühen der Textilindustrie. Der mechanische Webstuhl kam als erster im Jahre 1857 aus England nach Odenkirchen. Im Jahre 1877 lebte ein Fünftel der Einwohner des Kreises Gladbach von der Sammet- und Leinenindustrie, zwei Fünftel von der Baumwollindustrie, ein Fünftel vom Handwerk und ein Fünftel von der Landwirtschaft.  

 

Im Jahre 1926 gab es im Industriebezirk Gladbach-Rheydt­Odenkirchen-Viersen 1,6 Millionen Baumwollspindeln, dazu rund 300 Fabriken mit 25000 Webstühlen; hinzu kamen noch zahlreiche Stoffdruckereien, Appreturanstalten, Rauhereien und Färbereien. Jährlich wurden 1,5 Millionen Zentner Rohbaumwolle verarbeitet. In mehr als 200 Kleiderfabriken fanden 6000 Fabriknäherinnen und über 18000 Heimarbeiterinnen Beschäftigung."

 

 

Thomas Driesch

aus "Odenkirchen gestern und heute" Nr.8 (2008) - "Sparkasse Odenkirchen" von Dirk Pothast

 

   In der Gemeinde Odenkirchen wird am 14. Juli 1854 die erste Sparkasse eröffnet. "Die Gründer der Sparkasse, die Männer, welche in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts  den Plan fassen, in Odenkirchen eine Gemeinde- Sparkasse  ins Leben zu rufen, lassen sich den im § 1 des ersten Statuts angeführten Grundsatz zur Richtschnur dienen. Es heißt da: „Die Sparkasse für die Gemeinde Odenkirchen hat zunächst den Zweck, der handarbeitenden Volksklasse  derselben Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse gegen Zinsen unterzubringen und zu Kapitalien anwachsen zu lassen, um diese nach  den Festsetzungen des § 13 und 16 dieses Statuts zurückempfangen zu können“.

 

   Das erste Rechnungsjahr 1854/55  schließt mit 3 Sparkassenbüchlein und einem Einlagebestand von 40 Talern, 8 Groschen ab. 8 Jahre später, 1862 sind 14 Spar-Contos  mit 360 Talern vorhanden. Das Kassenlokal befindet sich zur Zeit der Eröffnung in der Burg, dann bis 1872 im Hause der Burgstraße 11, zur Zeit der Geschäftsführung von Herrn Carl Schmitz in dem Hause Freiheitsstraße  58 (heute Burgfreiheit) Metzgerei Schrey bis 1884, von da bis 1888 Gartenstraße 36 (heute Schmidt- Bleibtreu- Straße). Am 1. April 1901 haben 4373 Personen ein Sparkonto bei der hiesigen Kasse mit einem Gesamteinlagebestand von 2.727.622 Mark 7 Pfg. An Zinsen gewährt die Kasse den zum Gemeindebezirk Odenkirchen gehörigen Einlegern zur Zeit bis zur Höhe von 400 Mark 4%, übersteigt das Guthaben diesen Betrag  3 1/3% bis zur Höhe von 10.000 Mark. Auswärtigen Sparern werden die Einlagen von 1 – 10.000 Mark ebenfalls mit 3 1/3 % verzinst.

 

   Die in Güdderath durch Hauptlehrer Küppers im Jahre 1901 ins Leben gerufene Pfennig-  bzw. Schulsparkasse verdient hier erwähnt zu werden. Die Kinder des Schulbezirks Güdderath sparen zu diesem Zeitpunkt schon pro Jahr durchschnittlich 600 Mark. Schon mit einzelnen Pfennigen übergeben die Kinder Herrn Küppers ihre Ersparnisse, der dieselben in einem „Büchelchen“, das die Eltern der kleinen Sparer aufzubewahren haben, quittiert. Die gesammelten Gelder werden von Zeit zu Zeit der Sparkasse übergeben und von dieser mit 4% verzinst. Der eigentliche Zweck der Schulsparkasse ist, die Jugend zur Sparsamkeit zu erziehen. Dem Wirken Herrn Küppers kann man die höchste Anerkennung nicht versagen."     

 

 

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