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Stadt Odenkirchen (1856-1929)  >  Odenkirchener Köpfe

Odenkirchener Köpfe - Hervorragende Zeugnisse des Historismus

Ein typisches Beispiel für die historistische Wohnbebauung Odenkirchens ist das Ensemble an der Burgfreiheit bzw. Mülgaustraße an der Einmündung der Korneliusstraße
Das wohlhabende Odenkirchen der kaiserlichen Zeit
schuf mit der Bauweise des ausgehenden 19. und
beginnenden 20. Jahrhunderts ein liebenswürdiges
Stadtbild, das als Ausdruck der Gesinnung und des
Stilempfindens jener Zeit zu werten ist.

Es ist die Zeit des Historismus, hier bei uns der
Zeitraum von etwa 1880 bis 1914 (in den größeren
Städten von 1815 bis 1900).
Mit ihm bezeichnet man in der Stilgeschichte ein
Phänomen des 19. Jahrhunderts, bei dem man auf
ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese nachahmte.  

Besonders der reichhaltige Fassadenschmuck lässt deutlich werden, mit welcher Liebe zum Detail noch gearbeitet wurde. Damals eher eine Selbstverständlichkeit, sollten wir heute zu würdigen wissen, dass uns diese Zeugen der Vergangenheit erhalten geblieben sind. Sie sind es wert, dass man nicht achtlos an ihnen vorübergeht. Es lohnt sich, mit Zeit und Muße einmal einen Rundgang durch Odenkirchen zu machen und dabei einen Blick nach oben auf die schön gestalteten Fassaden zu richten.  

Es ist tatsächlich so, dass wir im Laufe der Jahre durch die Gewohnheit abgestumpft sind und so diese Zeugen aus alter Zeit einfach nicht mehr wahrnehmen. 
Dabei gibt es viele – im wahrsten Sinne des Wortes - hervorragende Details und Schmuckelemente zu entdecken, wie Erker, Kartuschen, Ornamente, Medaillons und ...
das ist hier das Thema: die steinernen Köpfe an den Fassaden.
1 - Mülgaustraße 52
2 - Schmidt-Bleibtreu-Straße 35
3 - Burgfreiheit 1
4 - Burgfreiheit 3
5 - Burgfreiheit 6
6 - Kölner Straße 24
7 - Kölner Straße 12
8 - Schmidt-Bleibtreu-Straße 30
9 - Mülgaustraße 233
10 - Mülgaustraße 2
 
 
Es sind Maskarone, in Stein gehauene Masken von Menschen, Tieren oder Fantasiegestalten. Sie hatten ursprünglich eine – meist in Form von Fratzen und Fratzenköpfen – zugedachte unheilabwehrende Funktion.
Später wandelte sich die Anwendung hin zum dekorativen Schmuckelement, dass im Mittelalter, in der Renaissance und vor allem im Barock auf Fassaden, Möbeln und kunsthandwerklichen Gegenständen sehr beliebt war.
Ein Beispiel aus der Renaissance sind die behelmten Köpfe – sie stellen Helden der römischen Geschichte dar – an der Rückseite des Hauptflügels (oberhalb der Loggia) von Schloss Rheydt. 

Bei unserem Rundgang durch Odenkirchen finden wir - in historistischer Anwendung – beide Formen vor.
Am Haus Nr. 52 der Mülgaustraße ist die Schlusssteinimitation der Fenster im Erdgeschoss mit einem Löwenkopf 1) besetzt.
Ansonsten herrscht die dekorative Gestaltung menschlicher Köpfe vor. Dabei taucht als einziges männliches „Wesen“ der von Malerpaletten flankierte "Künstlerkopf" an der Stirnseite des Hauses Von-der-Helm-Straße 2 auf.

Unter all den übrigen sogenannten „Mädchenköpfen“ ist er natürlich „Hahn im Korb“.

In den mehr als hundert Jahren, in denen sie Wind und Wetter trotzten, haben sich die "Odenkirchener Köpfe" hervorragend gehalten, wobei allenthalben eine Auffrischung mit Pinsel und Farbe stattgefunden hat. Beim Studium der Gesichter fallen diverse Unterschiede auf: Nicht alle wirken wie "versteinert". Manche kommen erhaben - nahezu majestätisch - daher, andere mit einem fast gütigen Blick.
Und die Dame im Bild 9 schämt sich ihrer Tränen nicht. Die Köpfe finden wir an unterschiedlichen Stellen der Fassaden: auf den Schlusssteinen der Fensterbögen 1), 5), 7), 10), als Bestandteil von Schmuckfeldern 2), 8), 9), als Medaillon 3), 4) und als Konsole 11).