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Neue Publikation des Heimatvereins
Im Rahmen der Reihe "Der Heimatverein als Herausgeber" (siehe hier) ist eine weitere Schrift von Josef Schürmann (Mitglied im Historischen Ausschuss des Heimatvereins) erschienen. Er hat sich diesmal intensiv mit dem Honschaftsbereich befasst und zwar insbesondere mit Sasserath inklusive Mongshof und Goerdshof. Angestoßen wurden die Arbeiten zu dieser Chronik durch die Aufzeichnungen eines unbekannten Verfassers aus den 30er Jahren, die dem Heimatverein in Sütterlin vorliegen. Schürmann hat den Text in unsere heutige Schrift "übersetzt" und ihn unverändert an den Anfang der Chronik gesetzt. Hier als Auszug aus der Chronik der Bericht des unbekannten Heimatfreundes: In Sasserath wurde von jeher und auch heute hauptsächlich Landwirtschaft betrieben. Der Sasserather Ackerboden ist als der beste in der Gemeinde bekannt. Hier wurden bis vor 50 Jahren (19.Jh.) meist Weizen, Roggen, Hafer, Buchweizen, Flachs, Rübsat, Zuckerrüben, Viehfutter als Runkelrüben, Steckrüben und Klee angepflanzt. Heute wird hier kein Flachs und auch kein Rübsat und auch kein Buchweizen mehr angebaut. Dagegen hat man sich mehr auf Zuckerrüben und Viehfutter eingestellt, weil sich die Milchwirtschaft bei den Landwirten ganz entschieden gehoben hat. Zwischen Sasserath und Lenßenhof liegt der sogenannte Eierberg, der höchste Punkt im Kreise M.-Gladbach. In der Glaubensspaltung während der Reformation nahmen die meisten Bewohner Sasseraths die Lehre Calvins an. Im Jahre 1740 wurde hier die erste Schule von Lehrer Lorenz Steins errichtet. Das besondere an dieser Schule war, dass die verschiedenen Jahrgangsstufen in einer Klasse unterrichtet wurden. Etwa 20 Kinder besuchten die Schule. Das Jahresgehalt des Lehrers betrug 72 Mark. Im Jahre 1809 bis 1821 war Gerhard Schiffers hier als Lehrer tätig. Sein Jahresgehalt betrug 60 Reichstaler und einen Rundtisch, d.h. täglich war für ihn in einem anderen Haus der Tisch gedeckt. Später kam Johannes Rummel als Lehrer nach Sasserath, der 1864 pensioniert wurde. Sein Gehalt betrug damals 200 Taler. Wie seine Vorgänger, so hatte auch er eine Nebentätigkeit und legte eine Baumschule an. Die Stelle, wo diese Baumschule lag, heißt heute noch „an der Boomschöll“. Lehrer Aldag, ein geborener Hannoveraner, übernahm die Schule am 1.4.1875 bis zum 1.10.1907 und wurde dann pensioniert. Es folgte der Lehrer Johann Schmitz der sein Amt am 9.5.1921 in Odenkirchen als Rektor der ev. Volksschule antrat, worauf der Lehrer Wilhelm Kuhlen die Sasserather Schule übernahm, an der er lange segensreich wirkte. Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts gab es in Sasserath eine evangelische Volksschule. (Heimatverein: Nach deren Schließung wurden die Kinder ab 1934 in Odenkirchen eingeschult). Damit endete eine lange Schultradition in Sasserath.
Bis
zum Jahre 1885 genügte der heute noch neben dem Schulwohngebäude
stehende alte Schulraum. In dem selben Jahr 1885 wurde die hier stehende
Schule nebst Wohnhaus unter dem Bürgermeister Duven (1862-1895)
errichtet. Heute dient das alte Schulhaus als Veranstaltungsort
für die Vereine Sasseraths. Im
Jahre 1842 wurde die Köln – Venloer Chaussee (Landstraße) ausgebaut.
Hohlwege wurden möglichst umgangen und zum Teil eingeebnet. So auch im
Ort Sasserath, wo die Durchgangsstraße mehr ein Hohlweg war. An der „Schmedd“
Schmitz-Wirtschaft, war früher ein Schlagbaum angebracht, wo jeder
Fuhrmann halten musste, um entweder etwas zu verzehren oder Chausseegeld
(Zoll) zu zahlen. Sasserath konnte von allen Seiten nur durch Hohlwege
erreicht werden. Mitten im Ort liegt das Maar, - wassergefüllte Senke
- (Dialektausdruck „die Maar“) wie dieses vielfach in den Dörfern
der Fall ist. Das Maar in Sasserath erhält ihr Wasser von den Regenmengen
der höher gelegenen Ackerflächen. Durch Verbindung eines Kanals fließt
das Regenwasser einem Wassergraben zu, welcher diesseits Mongshof auf Güdderath
und dann an der Rosensmühle in die Niers mündet. In
einem Baumgarten neben der Wirtschaft Lenders war ein kleiner Weiher,
welcher durch einen Kanal mit dem Maar verbunden ist. Dieses Wasser wurde
vor 50 Jahren (19.Jh.) noch als „Flachskull“ – (Verröstung bzw.
Verrottung von Rohflachs zur späteren Leinenherstellung
verwendet. Erkl.:Heimatverein) In früheren Jahren wurde das Maar
auch als Pferde - und Kuhtränke genutzt. Außerdem wurde hier das Wasser
bei Bränden geholt. Erwähnt sei, dass in Sasserath sehr selten ein größerer
Brand vorgekommen ist. Die Bewohner der meist kleinen Häuschen waren früher
kleine Ackersleute, Handwerker oder sie waren in Diensten der
größeren Besitzungen. Vielleicht ist das älteste Haus in Sasserath, das
an der Straße nach Jüchen steht und
heute dem Stellmacher Werres gehört. Derselbe ließ den baufällig an der
Straße liegenden Teil niederlegen und neu bauen. Hierbei wurde ein
Hausbalken mit folgender Inschrift herausgenommen: Dieses Haus steht in Gottes Hand Zur Schinken ist es genannt Gott behüte es vor Feuer und Brand
Johann Dörnel Anno
1649 der 5.Mai Bei
dem Richtfest sollen 28 Schinken verzehrt worden sein, daher der Name
„An Schenk“. Im
Jahre 1847 herrschte hier im Ort eine starke Ruhrepidemie, woran nicht
weniger als 23 Kinder starben. Auf
den Höfen und auch öffentlich standen Wasserpumpen. Dadurch das
Sasserath so hoch liegt, waren die Wasserbrunnen eine teure Anlage. Mitten
im Dorf an dem Maar, hat bis 1920 ein Dorfbrunnen gestanden. Es war ein
Ziehbrunnen mit kleinem Aufbau aus Holz. Der Brunnen war über 60 Fuß
tief, er wurde später zugeworfen und ist seitdem leider verschwunden. Man
kann sich vorstellen, dass am Dorfbrunnen in den früheren Jahren
Jung und Alt, Knechte und Mägde sich allabendlich trafen,
plauderten und Wasser für Mensch und Tier in Eimern und Wassertrögen
holten. Im
Jahre 1906 erhielt Sasserath das erste elektrische Kabel und die
Landwirte, sowie viele Bewohner, schlossen sich für Licht - und
Kraftstrom an. Bis zum Jahre 1909 bestand die Straßenbeleuchtung aus
Petroleum, danach wurde die elektrische Beleuchtung eingeführt. Für
Sasserath und Mongshof war bis 1920 ein Nachtwächter angestellt. Seitdem
schlafen die Bewohner auch ohne Nachtwache in Ruhe und Zufriedenheit. Der
letzte Nachtwächter war der Veteran Peltzer, welcher seinen Dienst bis 80
Jahre alt, mit Diensteifer versah. Bis Ende der 90er Jahre (19.Jh.) wurde
den Bewohnern die Nachtzeit stündlich durch blasen auf dem Horn bekannt
gegeben. Das Horn befindet sich im Heimatmuseum (?). Im
Jahre 1872 gründeten zwei Söhne des Bäckers Lenßen, unter der Firma
Gebr. Lenßen in Sasserath, die erste Dampfgetreidemühle mit Großbäckerei.
Hierdurch erhielt der Ort den ersten Fabrikschornstein. Im
Jahre 1884 richtete Wilhelm Lenßen eine Krautpresse ein und zwar an der
Ecke Kölner Straße - Talstraße,
(hinter der Maar, Erkl. Heimatverein) diese übernahm später Cornelius
Quack. Dessen Sohn Wilhelm Quack, baute dann dieselbe im Jahre 1911 zu
einer erstklassigen Dampfkrautpresse aus. Der zweite Dampfschornstein
wurde dadurch in das stille Land aufgebaut. Robert Camphausen errichtete im Jahre 1908 eine elektrisch betriebene Getreidemühle (Erkl.Heimatverein: es handelt sich um das Gebäude des heutigen „Sasserather Hofes“, nachdem Robert Camphausen den von August Lenßen 1880 erbauten Hof käuflich erworben hatte). Unter
der Firmierung Koch & Bähren wurde eine kleine elektrisch betriebene
Weberei im Jahre 1920 errichtet, welche heute als Weberei und
Kleiderfabrik unter der Firma Koch weiter geführt wird. 1914
wurde hinter Sasserath an verschiedenen Stellen Bohrungen auf Kohle und
Braunkohle vorgenommen. Es wurde bis zu einer Tiefe von 75 Meter gebohrt,
dann wurde die Arbeit eingestellt. Das Resultat blieb geheim. Im
Jahre 1914 trat hier ein furchtbares Unwetter auf.
Durch den Blitz wurde der Schüler Fritz Jansen erschlagen. In ganz
kurzer Zeit war das Maar und der Weiher neben der Wirtschaft überschwemmt.
Das Wasser stand bis auf dem Schulhof und manches Gehöft wurde in
Mitleidenschaft gezogen.
Die Goerdshöfe Foto: Josef Schürmann ährend
des Weltkrieges 1914-1918 war in Sasserath auf dem Gelände von dem
Landwirt Albert Coenen, Ecke Kölner Straße - Kamphausener Weg, ein
Gefangenenlager. Gefangene Russen
waren hier untergebracht und mussten bei den Landwirten arbeiten. Bei
einem Fluchtversuch von zwei Russen, wurden dieselben von wachhabenden
Landwehrleuten erschossen. Die
Erschossenen wurden auf dem kath. Friedhof in Odenkirchen begraben. Die
belgischen Besatzungsbehörden - in
der Zeit von 1918-1925 - hatten
im Jahre 1920 das große Gelände zwischen Sasserath und Hackhausen, die
Gemarkung „Hüllhofen“, für einen
großen Fliegerplatz ausersehen. Nach langen schwierigen
Verhandlungen unserer Behörden, wobei sich unser Bürgermeister Dr.
Schmidt - Bleibtreu (1921-1929) sehr verdient gemacht hat, ist es
gelungen, dass die Belgier von diesem Gelände absahen und es wurde
alsdann der Flugplatz bei Münchengladbach - Holt angelegt. Das beste
Ackerland unserer Gemeinde blieb dadurch verschont. Im
Jahre 1926 wurde in Sasserath das Kriegerdenkmal für die gefallenen
Krieger (1914-1918) von Sasserath und Mongshof durch den Landrat Jörg von
M.-Gladbach enthüllt. Die Ansprachen für die Gefallenen hielten für die
Gemeinde Odenkirchen der Beigeordnete Dr. Doemens, für die ev. Gemeinde
Pastor Stoltenhoff, für die kath. Gemeinde Kaplan Thelen und der
Vorsitzende des Ortskomitees. (Verm.Heimatverein: in Sasserath und
Mongshof waren 21 Gefallene zu beklagen). Nicht
unerwähnt darf die einzige Gastwirtschaft im Ort sein, welche seit über
100 Jahren im Besitz derselben Familie ist. Im Jahre 1826 kam der erste
Wirt, als ehemaliger Schmied im Wickrather Schloss,
nach Sasserath. Gleichzeitig mit der Wirtschaft gründete er hier
eine Geräte – und Hufschmiede. Sein Schwiegersohn Strerath übernahm später
die Schmiede und so wurde dieselbe von der Wirtschaft getrennt. Die
Wirtschaft heißt seit früher, so auch heute noch, „in de Schmedd“.
Die Gaststube, wie man früher das Gastzimmer nannte, welche unter dem Tor
links liegt, war als Hufschmiede eingerichtet. Die Schmitzwirtschaft hat
immer geheißen „an de Schmedd“. Lange Zeit war es der kernige Landwirt Emil Strommenger, welcher in geschickter, gemütlicher Weise das Wort führte. Strommenger war sehr belesen und daher, was das Wissen in Landwirtschaft, Politik und alles Sonstige betraf, sehr beschlagen. Er warf zwar vielfach mit Fremdwörtern um sich, so dass ihm der Beiname der „latingsche Bur“ gegeben wurde. Strommenger war Stadtverordneter und in vielen Kommissionen, z.B. beim Landratsamt und in der Regierung in Düsseldorf und Aachen und war sehr geschätzt und geachtet. Das Wirtszimmer war in früherer Zeit die Schmiede. Diesem Zimmer gab er den Namen der „Gürzenich“. Lange
Jahre hatte der Sohn Josef Schmitz die Wirtschaft, nach dessen Tod übernahm
der angetraute Neffe Lenders dieselbe, welcher heute noch seine Gäste zu
voller Zufriedenheit bewirtet (Erkl. Heimatverein: nach Lenders übernahm
Heinrich Gahlen die Wirtschaft). Sasserath
hat sich im Verhältnis zur Stadt und den übrigen Honschaften,
die mehr auf Rheydt zugehen, also mehr zwischen industriellen
Anlagen liegend, wenig verändert. In den letzten 20 Jahren wurden im Ort
einige Neubauten errichtet und vor dem Ort an der Talstraße zwei neue Häuser
gebaut. Gasanlagen hat Sasserath nie besessen und man war bis 1906 auf
Kerzen, Rüböl und Petroleumlicht angewiesen. Im Sommer des Jahres 1889 wurde zwischen Sasserath und Jüchen auf der Landstraße unter dem Vorsitzenden des Radvereins Odenkirchen, ein Radrennen veranstaltet. Hinter Sasserath, kurz vor dem Ziel, war eine Tribüne errichtet. Tausende Menschen nahmen als Zuschauer an dem Rennen teil. Bürgermeister Duven und Polizei sorgten für Ordnung an der Rennstrecke, wobei der Bürgermeister selbst von einem Rennfahrer überfahren wurde. Vor und hinter Sasserath ist die Chaussee mit Lindenbäumen bepflanzt. Hinter dem Ort nach Jüchen zu, stehen dieselben etwa seit 1900 und zwischen Odenkirchen und dem Ort seit 1918. Vorher standen dort Birnen, Kirschen, Ulmen, Eschen usw. Die ältesten Familiennamen im Ort sind wohl Baum, Beckers, Camphausen, Coenen, Deußen, Dürselen, Kamphausen, Koch, Lenßen, Lindgens, Morjan, Pauli, Quack, Schippers, Steins, Strommenger. '
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